Netzwerk 21 Kongress

Bundesweiter Fortbildungs- und Netzwerkkongress für lokale Nachhaltigkeitsinitiativen [www.netzwerk21kongress.de]



 

„Kommunale Nachhaltigkeit als Ausweg aus der Krise“ (Nürnberger Erklärung)


Mit der Resolution „Kommunale Nachhaltigkeit als Ausweg aus der Krise“ wird versucht, die für die Kommunen erforderlichen Rahmenbedingungen für die Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung zu thematisieren und dazu konkrete Forderungen zu stellen und Anregungen zu geben.

Die Resolution (Nürnberger Erklärung) soll vor dem Netzwerk21Kongress in Nürnberg diskutiert und weiterentwickelt werden, damit sie zum Abschluss des Kongresses per Akklamation verabschiedet werden kann.

Wir laden Sie herzlich ein, den Text dieser Resolution zu lesen, zu kommentieren und Verbesserungsvorschläge einzubringen.

RESOLUTION des Netzwerk21Kongresses 2010 in Nürnberg


„Kommunale Nachhaltigkeit als Ausweg aus der Krise“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Netzwerk21Kongress 2010 haben ihre Erfahrungen über Nachhaltigkeitsprozesse und -projekte miteinander ausgetauscht und sich Anregungen über eine Stärkung dieser innovativen Politik mit auf den Weg gegeben. Mit ihrem vielgestaltigen Engagement leisten die Vertreter aus Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft einen erheblichen Beitrag für eine zukunftsfähige Entwicklung. Auf dieser Basis wurde folgende Resolution per Akklamation angenommen:

Die Kommunen in Deutschland sind mit Problemen und Herausforderungen von historischen Ausmaßen konfrontiert. Die Negativeffekte der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise erreichen die lokale Ebene, die Defizite kommunaler Haushalte erklimmen trotz schmerzlicher Sparmaßnahmen neue Rekordhöhen, und während die Einnahmen sinken steigen die Ausgaben weiter an.
diesen Absatz kommentieren

Angesichts dieser Krise und weiterer Herausforderungen, wie demografischer Entwicklung, Verlust der biologischen Vielfalt sowie Klimawandel muss die Handlungsfähigkeit der Kommunen gesichert werden. Notwendige Investitionen in Bildung und Qualifikation, Sicherung und Verbesserung der Daseinsvorsorge, der Umbau des Energiesystems hin zu erneuerbaren Energiequellen, Modernisierung der Infrastrukturen müssen weiterhin möglich bleiben.
diesen Absatz kommentieren

In zahlreichen Kommunen wird nach Auswegen gesucht und mit neuen Konzepten experimentiert. Immer mehr Städte, Gemeinden und Landkreise machen sich das Leitbild des 21. Jahrhunderts zunutze und versuchen die ambitionierten Prinzipien „Nachhaltiger Entwicklung“ anzuwenden. Künftig könnten viele Potenziale durch ein Nachhaltigkeitsmanagement noch besser genutzt, Innovationen durchgeführt und „Bürgerschaftliches Engagement“ noch besser mobilisiert werden. Zudem gilt es, auch auf lokaler Ebene alle öffentlichen Leistungen und Strukturen auf den Prüfstand zu stellen und bedarfsgerechte und zukunftsfähige Prioritäten zu setzen.
diesen Absatz kommentieren

Doch all diese Anstrengungen in den Städten, Gemeinden und Kreisen reichen nicht aus, die Strukturkrise zu überwinden und die Herausforderungen zu meistern. Dafür müssen vielmehr zusätzlich die Rahmenbedingungen für erfolgreiche zukunftsfähige Politik und Nachhaltigkeitsaktivitäten in den Kommunen deutlich verbessert werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Netzwerk21Kongress 2010 fordern:
diesen Absatz kommentieren

  • Konzepte, Maßnahmen und Initiativen der Kommunen, die sich an einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten, müssen von Bund und Ländern gezielt gefördert werden.
diesen Absatz kommentieren

  • Bund und Länder müssen den Schuldenabbau der Kommunen unterstützen und in Zusammenarbeit mit diesen eine Entschuldungsstrategie entwickeln, um künftigen Generationen nicht weitere Lasten aufzubürden.
diesen Absatz kommentieren

  • Die Kommunen müssen von den drastisch steigenden Sozialausgaben durch den Bund entlastet bzw. bei der Umsetzung von Bundes- und Landesgesetzen gemäß dem Konnexitätsprinzip finanziell ausgestattet werden (Wohngeld bei Hartz IV, garantierte Kitaplätze, etc.).
diesen Absatz kommentieren

  • Die in einigen Bundesländern erfolgten oder vorgesehenen Streichungen der Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich zurückzunehmen bzw. zu unterlassen.
diesen Absatz kommentieren

  • Die Gewerbesteuer ist im Sinne einer Gemeindewirtschaftssteuer weiter zu entwickeln. Bund und Länder müssen Möglichkeiten für zusätzliche Einnahmen der Kommunen schaffen (z.B. die Grunderwerbssteuer erhöhen, wie in einigen Bundesländern erfolgt).
diesen Absatz kommentieren

  • Den Kommunen bzw. ihren Spitzenverbänden ist in der Bewertung und Weiterentwicklung von Bundes- und Landesgesetzen größerer Einfluss einzuräumen.
diesen Absatz kommentieren

  • Bürgerschaftliches und unternehmerisches Engagement für eine Kommune sind – neben Geld – als Eigenmittel bei der Akquisition von Fördermitteln anzuerkennen.
diesen Absatz kommentieren

  • Maßnahmen in Richtung Nachhaltigkeit wie z.B. in der Städtebauförderung oder im CO2-Gebäudesanierungsprogramm müssen gestärkt werden.
diesen Absatz kommentieren

All dies kann nur durch eine gemeinsame, konzertierte Aktion von Bund, Ländern und Kommunen unter Hinzuziehung der Stakeholder erfolgreich gemeistert werden. Wir als Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Netzwerk21Kongress 2010 erklären uns bereit, uns für die baldige Realisierung der hier vorgeschlagenen Innovationen einzusetzen.
diesen Absatz kommentieren


Für Kommentare zu einzelnen Textstellen nutzen Sie bitte den Link beim jeweiligen Absatz. Für Kommentare zur Erklärung insgesamt dient das untenstehende Kommentarformular.

Kommentare

 
1Kommentar von Sven Schulz (am 10.09.2010 um 12:41)
Im Prinzip pflichte ich der Erklärung bei. Sie ist mir allerdings zu sehr fokussiert auf die Finanzausstattung der Kommunen - die ohne Zweifel verbessert werden muss. Wo sind die Forderungen an die Kommunen, bzw. eine verbindliche Selbstverpflichtung der Kommunen? Bei all den guten Ansätzen, die auf kommunaler Ebene laufen - und es gibt ja wirklich einiges - kann ich nicht umhin festzustellen, dass:

a: Die Bilanz der Agenda-21-Bewegung auf kommunaler Ebene extrem durchwachsen ausfällt - die Mehrzahl der Prozesse wieder eingeschlafen ist.

b: Dass wenige Kommunen strukturierte, langfristige Prozesse ins Rollen gebracht haben, um den genannten Trends (sehr unglückliche Wortwahl meines Erachtens) wie demographischen Wandel oder Klimawandel zu begegnen.

c: Selbst die Beteiligung an den großen kommunalen Nachhaltigkeitsinitiativen (Aalborg Commitments, Covenant of Mayors etc.) im unteren einstelligen Prozentbereich liegt.

d: Kommunen sich mit der Einbindung von Nachhaltigkeit in alltägliche Planungsprozesse sehr schwer tun und überhaupt Probleme haben, ihre Strukturen und ihre Art Politik zu machen zu überdenken.

Geld - so nötig es auch ist - ist da nur ein Teil des Problems und mehr Geld wird nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit führen.

2Kommentar von Marcus Zschornack, Caritasverband Leipzig e.V. (am 13.09.2010 um 16:25)
Ich vermisse in der Erklärung einen direkten Bezug zu Arbeitslosigkeit und Armut. Langzeitarbeitslosigkeit produziert fortgesetzt materielle Armut, Bildungsarmut, Mangel an Teilhabe. Kommunale Mittel werden für Soziales in hohem Maße verpflichtend gebunden. Gesellschaft wird dividiert. Nachhaltigkeit kann nicht mehr jenseits sozialer Fragen erreicht werden. Sich verfestigende oder sogar wachsende Armut blockiert m.E. massiv nachhaltige Entwicklungen.
3Kommentar von Sibylle Wolfgramm, Bildungsbüro ACHTSAM (am 23.09.2010 um 09:54)
Es müssen Strukturen geschaffen werden, die diese Arbeit untersützen. Meist fehlt der politische Wille, Bürgerbeteiligung zu fördern und zu fordern. Bürgerbeteiligung wird in den ländlichen Regionen haupstsächlich soverstanden: Die Bürger sollen Aufgaben erledigen, für die sonst das Geld fehlt. Gestaltend und kommentierend mitzuarbeiten ist i.d. Regel nicht erwünscht.

Beispiel in Baden-Württemberg: Jugendbegleitermodell. Hier soll ein Ganztagsschulbetrieb unter finanziell günstigen Bedingungen ermöglicht werden. Grundsätzlich ist es zu befürworten, wenn Schulen sich für Partner öffnen. Dazu gehört aber auch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.

In der Resolution fehlt mir die Forderung nach Kooperation auf allen Ebenen.

4Kommentar von Andre Schäfer, Nachhaltigkeitszentrum Mittelthüringen (am 04.10.2010 um 13:58)
Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung muss in allen Institutionen mehr Gewicht erhalten, muss in den Alltag implementiert werden und Leitlinie des Handelns werden. Solange wie die Frage der NE nur als ein Thema unter anderen Themen verstanden wird, ist sie nicht wirksam. Ernsthaftigkeit ist gefragt und keine Feigenblätter.

Dies trifft nicht nur die Fördermittelgeber, sondern auf alle Akteure, auch die Kommunen selber zu. Aus diesem Grund wäre es schön, wenn das Nürnberger Papier auch die Kommunen auffordern würde, das Thema NE bei den eigenen Gestaltungsmöglichkeiten mehr in den Mittelpunkt zu schieben. Nachhaltigkeit muss gewollt sein und man muss selber aktiv werden, es reicht nicht nur von anderen zu fordern.

Einen neuen Kommentar schreiben:




 



 



Bitte schauen Sie nach dem Absenden in Ihr Postfach. Sie erhalten eine Email mit einem Link, über den Sie Ihren Kommentar bestätigen müssen.