Netzwerk 21 Kongress

Bundesweiter Fortbildungs- und Netzwerkkongress für lokale Nachhaltigkeitsinitiativen [www.netzwerk21kongress.de]





Material Mafia: Müll ist eine Definitionssache [Netzwerk21Kongress]



Material Mafia


Material Mafia: Müll ist eine Definitionssache



Zusammenfassung

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Das Konzept der Material Mafia reagiert insbesondere auf die Abfallproblematik. Vor allem in der industriellen Produktion und in der Kreativwirtschaft fallen große Mengen Nebenprodukte und Abfälle an, die nicht weiterverwendet werden.
Als zentrale Aufgabe hat sich die Material Mafia vorgenommen, Kreisläufe für die Weiterverwendung dieser Ressourcen zu schaffen. Diese Herangehensweise bezeichnet man auch als „Reuse“ (Wiederverwendung) oder Upcycling (stoffliche Aufwertung und Wiederverwertung).
Die Weiterverwendung von Materialien kann den Lebenskreislauf einer Ressource nur verlängern und ist somit nur eine Teillösung. Das eigentliche Ziel muss eine müllfreie Wirtschaft mit geschlossenen Ressourcenkreisläufen sein, also zero waste.


Beschreibung der Aktivitäten



Das Ziel Ressourcenkreisläufe zu schaffen und die Vision einer zero waste Gesellschaft wollen wir mit folgenden Aktivitäten erreichen:

MATERIALVERMITTLUNG
Müllreduzierung und Ressourcenschonung durch sinnvolle Weiterverwertung!
Wir sammeln, demontieren und erhalten regelmäßig Reststoffe und Nebenprodukte aus der lokalen Industrie, Handwerk, Messeaufbauten und der Kreativwirtschaft.
Dieses Material bereiten wir auf und lagern es, um es dann, wie in einem secondhand Bau- und Künstlermarkt, kostengünstig an Künstler, Designer, Jugendeinrichtungen, Schulen, soziale Projekte und alle Kreativschaffende weiter zu vermitteln, zur Realisierung ihrer sozialen, ökologischen oder künstlerischen Projekte benötigen.

Durch die Materialvermittlung schaffen wir eine nachhaltige Konsum-Infrastruktur, sowohl für Privat- wie auch Unternehmenskunden. Es handelt sich für uns bei diesen Kontakten nicht nur um klassische Spender und Kunden, sondern um Teile einer alternativen sozialen Austausch-Struktur: Eine Institution, die Material kauft, ist zu einer anderen Zeit auch Material-Geberin.
Wirtschaftliche Unternehmen erfahren durch die Vermittlung ihres „Mülls“ direkt oder indirekt eine Beratung zu Ressourcenschonung, -nutzung und die Kunden erhalten Informationen/Beratung über Herkunft, Eigenschaften und Verarbeitung der Rohstoffe.

BERATUNG
Damit nachhaltige Ressourcenkreisläufe entstehen können setzen wir auch schon bei der Produktionsweise an, bevor das Abfallproblem entstehen kann. Hierbei beraten wir Eventagenturen oder auch Messeorganisatoren, wie sie Materialen sinnvoll und nachhaltig einsetzen und verbauen können, damit sie bspw. nach einer Veranstaltung weiterverwendet werden können.
Auch interne, also Haus-eigene-Ressourcenkreisläufe in Veranstaltungsgebäuden oder Unternehmen, können somit aufgebaut werden.

BAUAUFTRÄGE
Für Kunden bauen wir aus geretteten Materialien Möbel, Messestände und dekorieren Veranstaltungen. Die Kunden sind meist in der junge startups oder soziale Organisationen in Berlin, die ihr Büro oder Projekträume einrichten und dabei auf die Umwelt achten möchten. Jedes Möbelstück ist ein Unikat: Schreibtischen aus geretteten Tafelplatten, Stühlen aus alten Fahrradschläuchen, Sitzpuffs aus Kaffeesäcken gefüllt mit Schaumstoff oder Alttextilien, Hochbeete oder hängende Gärten aus Rohren. Wir planen zusammen mit den Auftraggebern die Möbelstücke individuell. Das Material und der Prozess entscheiden über das Endprodukt. Das führt bei den Konsumenten zu einem Umdenken, da nicht alles sofort verfügbar ist und ein Endprodukt vorher nicht genau definiert werden kann, sondern das verfügbare Material und die Funktion des Möbelstücks ausschlaggebend sind.
Der Einsatz von reuse Materialien ist oftmals absolute Piniersarbeit. Die Beschaffenheit der Materialien muss bei Aufträgen oder dem Prototyping neuer Produkte zunächst eruiert werden. Offset Gummitücher eignen sich beispielsweise wunderbar als Leder- oder Linoleum Ersatz zum bespannen für Sitzhocker oder Stühle.

BILDUNG UND UMWELTERZIEHUNG
Unter dem Schwerpunkt Umwelt und Nachhaltigkeit bieten wir handwerkliche Projekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an.
Die Workshops verbinden Theorie und künstlerische Praxis und informieren über die Herkunft von Rohstoffen, Produktionsketten, Wiederverwertbarkeit, Recycling und soziale Hintergründe in der Warenproduktion. Speziell für Schüler*innen haben wir Bildungsbausteine entwickelt die zum Thema Umwelterziehung an den aktuellen Unterrichtsstoff angepasst werden können.
So entstehen beispielsweise, Trinkbehälter, Pflanzgefäße, kleine Möbelstücke und Kunstwerke für Schüler*innen, Studierende und alle Interessierten.
Seit 2013 organisieren wir die unkommerziellen Reuse Tage, an denen verschiedene Workshops stattfinden und die als Plattform für kollobaratives Lernen, Austausch und handwerkliches Experimentierfeld dienen.


Inwieweit und wodurch konnten gesellschaftliche Gruppen oder Akteure neu für dieses Thema gewonnen oder einbezogen werden?



Die Material Mafia lebt durch ein aktives Netzwerk von Personen mit unterschiedlichsten Qualifikationen und wächst auch mit diesen. Wir haben in den letzten Jahren enge Kooperationen mit der TU-Berlin, Earthship Biotecture Deutschland, den Prinzessinnengärten (Urban Gardening , der Tiny House University, Journey 2 Creation , Messeorganisatoren der bread & butter, dem Genossenschaftsprojekt Wir bauen Zukunft in Nieklitz und der Messe Berlin aufbauen können.

Durch unser Materiallager in Berlin, wurde nicht nur ein Lager und Abhol-Ort geschaffen, sondern auch ein konkreter Raum, um Begegnungen möglich zu machen. Hier treffen Privatpersonen, Künstler*innen, Vertreter*innen von Organisationen oder Unternehmen, Organisator*innen von Festivals aufeinander und tauschen sich aus. Auch durch den Besuch auf Messen (z.B. Maker Fair) lernen wir neue Gruppen kennen und vernetzen uns mit diesen. Die junge Generation erreichen wir durch Workshops in Schulen und auf Bildungsveranstaltungen.


Inwieweit und wodurch ist es gelungen eine öffentliche Wahrnehmung für das Thema zu erreichen?



Durch die Rettung von Materialien und der Weitervermittlung haben wir ein großes Netzwerk an Material-Abholern und Material-Gebern. Dieser Mehrwert hat sich in den letzten Jahren schnell herumgesprochen und wir werden mit unseren Dienstleistungen weiterempfohlen. Auch die Vision einer zero-waste Gesellschaft teilen viele Menschen, wodurch wir viel Zuspruch und Unterstützung erfahren.
Wir schreiben regelmäßig einen Newsletter mit den aktuellen Materialien im Lager und Neuigkeiten aus der Zero-Waste Bewegung und anderen Veranstaltungen. Auch durch Radio-Interviews, social media, öffentliche Präsenz auf Messen und Märkten mit Workshop-Angeboten, der Organisation von Veranstaltungen (Reuse Tage), der Kooperation mit maker Labs und repair cafes, erreichen wir öffentliche Präsenz für die Themen „Reuse“ und „Upcycling“.
Die Material Mafia ist ein open source Netzwerk und soll vielen Menschen dienen, die sich für verantwortungsvolle und neu-gedachte Konsummuster einsetzen.


Wie sollen die Aktivitäten in Zukunft weitergeführt werden?



Aktivitäten und Ziele für das Jahr 2017/2018 sind folgende:

1. Aufbau eines Kompetenzteams rund um die Material Mafia
Bisher hat Simone Kellerhoff die Mafia alleine geleitet und aufgebaut. Auf Grund der vielen Anfragen und dem großen Potenzial soll nun ein Kernteam entstehen und neue Projekte aufgebaut werden.

2. Aufbau eines größeren Material-Lagers mit Werkstatt für Experimente und Begegnungsort
Bisher gibt es noch keine gut eingerichtete Werkstatt, um auch Privatpersonen und Workshop-Teilnehmer*innen einen Raum zum Bauen, Handwerken oder Reparieren zu bieten. Viele Materialien, die aus dem Industriebereich zu uns gelangen müssen erforscht und einen neuen Verwendungszweck erfahren - hierfür braucht es eine Expermentier-Werkstatt.

3. Ausbau von Workshopformaten und Angeboten in Berlin

4. Aufbau einer Möbelmanufaktur in Nieklitz und damit die Förderung von Ressourcenkreisläufen im ländlichen Raum


Ergänzende Bemerkungen



Im Jahr 2014 wurde die Material Mafia wissenschaftlich begleitet. Hier ein kleiner Auszug aus den Ergebnissen der Studie:

In 2014 Material Mafia collected and redistributed -among many other materials- over 200m3 of wood, fibreboard, plastic materials and paper. Assuming that around half of the production of new materials is avoided through this redistribution, at least 345t CO2 e emissions were saved, which corresponds roughly to the total annual carbon footprint of 39 European citizens.


weiterführende Informationen 

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