Netzwerk 21 Kongress

Bundesweiter Fortbildungs- und Netzwerkkongress für lokale Nachhaltigkeitsinitiativen [www.netzwerk21kongress.de]





Nachhaltig einkaufen - mit Herz & Verstand [Netzwerk21Kongress]



Unverpackt Laden: natürlich unverpackt - nachhaltig einkaufen und genießen


Nachhaltig einkaufen - mit Herz & Verstand



Zusammenfassung

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Jedes Jahr gelangen ca. 7 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer, zehntausende Meeresbewohner sterben daran. Mikroplastik gefährdet mittlerweile Mensch und Tier, die globalen Folgen sind unabsehbar. Deshalb braucht es Produktions- und Handelskonzepte zur Vermeidung von Plastikmüll. Das „natürlich unverpackt“ - Münsters erster verpackungsfreier Supermarkt - bietet ein Einkaufskonzept ohne Verpackungsmüll. Es ist ein Lebensmittel- und Gebrauchsmittelmarkt, indem sich Kunden sämtliche Waren des täglichen Bedarfs in eigene Behälter lose abfüllen können.
Wenn unser Beispiel Schule macht, ist es möglich, Flora und Fauna – vor allen Dingen die Meere und alles, was in ihnen lebt – wirksam zu schützen.


Beschreibung der Aktivitäten



„Natürlich unverpackt“ realisiert das Einkaufen der Zukunft: in meinem Laden vermarkte ich nachhaltig erzeugte Lebens- und Gebrauchsmittel des täglichen Bedarfs verpackungsfrei oder in der Mehrwegverpackung. Dabei spielt die Herkunft und die Qualität der Produkte eine große Rolle: Das „natürlich unverpackt“ ist bio-zertifiziert. 95% der Produkte sind Bio-Lebensmittel, Spül- und Putzmittel sind biologisch abbaubar, die Kosmetika sind ausschließlich Naturkosmetika ohne jegliche Mikroplastikbestandteile. Daneben werden Bio-Baumwollbeutel, Gläser oder Dosen angeboten, die dem Kunden den Transport und die Lagerung der gekauften Waren ermöglichen.
Zur Vermeidung langer Transportwege bevorzuge ich regionale Produzenten und Lieferanten. Dies stärkt die regionale Wirtschaft und unterstützt kleine und nachhaltig produzierende Lieferanten. Ein großer Teil des Sortiments kommt direkt aus Münster oder dem Münsterland.
Schon beim Einkauf achte ich auf die Vermeidung von Verpackungsmüll: 75 % der Trockenware kommt im Papiersack. Frischwaren, Büroartikel, Baumwollbeutel und Kosmetika kommen in Pfandbehältern.
Ich werfe keine Lebensmittel weg. Frischware wie Gemüse, Milchprodukte und Brot werden zu Mahlzeiten verarbeitet und als nachhaltiger Imbiß („Suppe des Tages“) serviert. Alle sonstigen Reste werden an Wohngruppen des „Guten Hirten“ oder an „Aufessen“, eine Initiative zur Vermeidung des Wegschmeißens von Lebenmitteln weiter gegeben. So sparen wir in jedem Bereich Ressourcen und Müll.

Im Schnitt kann ein einziger natürlich unverpackt Kunde pro Jahr etwa 35 kg Müll vermeiden. Bei der derzeitigen Kundenzahl vermeidet das natürlich unverpackt damit gut 5 Tonnen Verpackungsmüll. Für einen kleinen Laden eine große Menge an gespartem Müll. Dies potenziert sich, wenn das Konzept sich verbreitet.

Wir haben zahlreiche Aktivitäten unternommen, um die Menschen vom Wert des unverpackten Einkaufens zu überzeugen. So wollen wir immer mehr Münsteraner zum verpackungsfreien Einkaufen ermutigen und die ersparte Müllmenge kontinuierlich steigern.

Hier sind die Aktivitäten aufgeführt, die das Konzept bekannter machen sollen und die immer mehr Menschen dazu animieren sollen, selbst Müll einzusparen:
* Vorstellung des Konzepts im Vorfeld der Gründung durch eine Crowdfunding-Kampagne/Gewinnung vieler Unterstützer
* persönliche Vorstellung des Ladenkonzepts: bei verschiedenen Umweltverbänden, durch einen Marktstand, in Studierenden-Kneipen
* Film über die Eröffnung des „natürlich unverpackt“ in der „Aktuellen Stunde“ im WDR (5.11.2015)
* Film über die Entwicklung nach einem halben Jahr in der „Aktuellen Stunde“ (Mai 2016)
* Informationsveranstaltung zu Plastikmüll, zur Müllsituation in Münster/Film-Vorführung „Plastic Planet“ (12.5.2017)
*Tag der offenen Tür: Die Lieferanten des „natürlich unverpackt“ stellen sich und ihre Produkte vor
* Teilnahme am Tag der Nachhaltigkeit (2016 und 2017)
* Vortrag und Signierstunde mit der „Queen of Zero Waste“ Bea Johnson im Laden (9.6.2016)
* Film-Beitrag in ZDF „Hallo Deutschland“: Shia Su, Autorin des Buches „Zero Waste“ bei ihrem Einkauf im „natürlich unverpackt“ (2016)
* Vortrag auf dem Heldentag in Paderborn (24.6.2016)
* Treffen der unverpackt-Ladnern und Ladnerinnen in Berlin zur Vernetzung
* Etablierung eines Zero Waste Stammtischs, der Aktionen plant (regelmäßige Treffen einmal im Monat im Laden)
* Teilnahme am Veggieday (16.7.16)
* Vortrag bei der FairMesse in Dortmund (2016+2017)
* Vorstellung des Ladenkonzeptes bei einer Veranstaltung der Münsteraner Gründungswoche (November 2016)
* Verleihung des Umweltpreises der Stadt Münster ans „natürlich unverpackt“ mit Festakt (Nov 2016)
* Durchführung einer Studie mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde: „Der verpackungsfreie Supermarkt: Stand und Perspektiven (läuft derzeit)
* Teilnahme Klimaschutzwoche Borken (07/2016)
* Film-Beitrag in „Die Zukunftsmacher“ über das „natürlich unverpackt“ (16.6.2016)


Inwieweit und wodurch konnten gesellschaftliche Gruppen oder Akteure neu für dieses Thema gewonnen oder einbezogen werden?



Im Zuge der Eröffnung des „natürlich unverpackt“ habe ich mit zahlreichen Umwelt-Initiativen Kontakt aufgenommen und von ihnen große Unterstützung erfahren. Auf meine Anregung hin hat sich die Initiative „Münster spart Müll“ gebildet, getragen u.a. vom Zero Waste Stammtisch, dem Münsteraner Umweltforum, engagierten Privatleuten und Beratern, die das ganze Jahr über Aktionen zur Müllvermeidung durchführen: Reduktion von Plastikmüll bei Viertelfesten, Kooperation mit lokalen Kinos, um Filme zu zeigen wie „Plastic Ocean“, Kooperation mit Schulen, mit den Stadtwerken usw.
Ich habe mein Ladenkonzept z.B. im Rahmen der Münsteraner Gründungswoche zum Thema nachhaltige Geschäftsideen vorgestellt.
Es ist eine gute Vernetzung mit zahlreichen Umwelt-Initiativen vor Ort sowie mit Bio-Läden und anderen Unverpackt-Läden entstanden. Langfristig soll eine Genossenschaft der Unverpackt-Läden gebildet werden, z.B. um die Verpackung bei den Produzenten zu verbessern.


Inwieweit und wodurch ist es gelungen eine öffentliche Wahrnehmung für das Thema zu erreichen?



Die Eröffnung des „natürlich unverpackt“ in Münster hat zu großer Aufmerksamkeit für das Thema Plastikmüll und Müllvermeidung geführt. Das Ladenkonzept lädt zu Nachfragen ein. Viele Menschen sind sehr dankbar dafür, dass ihnen durch den Laden eine konkrete Möglichkeit geboten wird, wie sie selbst einen Beitrag zur Müll-Reduktion leisten können. Die Idee des Ladens wird von ihnen selbst weiter zu Familie, Freunden und Bekannten getragen.

Das „natürlich unverpackt“ hat großes Interesse in den Medien geweckt. Viele Fernsehsender und Zeitschriften haben schon über das natürlich unverpackt berichtet und mindestens einmal wöchentlich erhalte ich eine Anfrage von Studierenden, die eine Arbeit zum Thema Umweltverschmutzung/Plastikmüll/Nachhaltigkeit usw. schreiben. Die Stadt Münster weist mittlerweile in Pressemitteilungen auf die Notwendigkeit müllreduzierten Einkaufens hin, insbesondere in unverpackt-Läden.
Interessierte finden Informationen auf meiner Website oder auf Facebook.


Wie sollen die Aktivitäten in Zukunft weitergeführt werden?



Meine Vision ist, dass unverpacktes Einkaufen nicht Ausnahme, sondern Regel ist und jeglicher überflüssige Verpackungsmüll eingespart wird, zumindest durch recycelbare Alternativen ersetzt wird. Hierzu muss sowohl das weltweite Müllproblem noch viel stärker ins öffentliche Bewußtsein dringen und ich werde jede Möglichkeit wahrnehmen, durch Presse-Arbeit, Online-Medien, öffentliche Veranstaltungen auf dieses Problem und die Möglichkeit, durch eigenes Tun zur Müllreduktion beizutragen, hinzuweisen.

Hierzu möchte ich die Vernetzung mit allen Akteuren in diesem Feld weiter voran treiben – regional und überregional. Ich möchte weiterhin mit anderen Verbänden durch Projekte und Aktionen Aufmerksamkeit erzeugen – sei es bei Festen, in Schulen und Hochschulen oder im Laden.

Eine permanente Sortiments-Erweiterung soll weitere Kundenkreise anziehen und davon überzeugen, dass die Erfüllung sämtlicher basaler Bedürfnisse müllfrei möglich ist.


weiterführende Informationen 

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