Netzwerk 21 Kongress

Bundesweiter Fortbildungs- und Netzwerkkongress für lokale Nachhaltigkeitsinitiativen [www.netzwerk21kongress.de]





Ernährungswende jetzt! [Netzwerk21Kongress]



Taste of Heimat e.V.


Ernährungswende jetzt!



Zusammenfassung

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Als erster Ernährungsrat im deutschsprachigen Raum gestalten wir die Ernährungswende im Großraum Köln. Wir initiieren bürgerschaftliche Projekte wie z.B. die Essbare Stadt“ und die Entwicklung einer nachhaltigen Ernährungsvision für Köln, bringen das Thema „regionale, nachhaltige Ernährung“ in alle Kitas und fördern die Direktvermarktung von nachhaltigen Lebensmitteln aus der Region in die Gastronomie, die Gemeinschaftsverpflegung und natürlich an die BürgerInnen Kölns. Wir werben für mehr Wertschätzung für regionale, ökologische, faire und leckere Lebensmittel, für die Menschen, die sie produzieren und für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, und bieten eine Aktionsplattform für alle, die sich für diese einsetzen wollen.


Beschreibung der Aktivitäten



Wer sind wir?

Der Ernährungsrat Köln und Umgebung (ER) wurde 2015 durch den Verein Taste of Heimat initiiert und im März 2016 offiziell gegründet. Die Gründung dieses Gremiums selbst, unter Mitwirkung der Stadtverwaltung und -politik, ist in Deutschland bisher einmalig und eröffnet neue Perspektiven, die dringend notwendige Ernährungswende nicht mehr nur durch vereinzelte Initiativen von Unternehmen, BürgerInnen oder dem Staat voranzutreiben, sondern fundiert und mit einer Struktur, die der Komplexität des Problems angemessen ist. Im ER sitzen 30 VertreterInnen aus der Zivilgesellschaft, Wirtschaft (Landwirtschaft, Handel, Gastronomie etc.) und lokaler Politik/Verwaltung an einem Tisch, um Ernährungspolitik auf die lokale Ebene zurückzuholen. Der ER wurde von Anfang an von der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker unterstützt und nach knapp zwei Jahren informeller Zusammenarbeit hat jetzt der Kölner Stadtrat einstimmig die offizielle Beteiligung der Stadt an dessen Arbeit beschlossen. Unser Ziel ist die Versorgung der Stadt Köln (und durch Vorbildwirkung auch weiterer Städte und Regionen) mit Lebensmitteln, die überwiegend lokal und regional und unter fairen und ökologischen Bedingungen produziert werden.

Wir führen zurzeit mehrere größere Projekte durch, die in vier thematischen Ausschüssen geplant und begleitet werden.

Der Ausschuss „Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung“ will regionale Lebensmittel einer breiten Masse zugänglich zu machen und besonders Kinder möglichst früh und vielseitig mit dem Thema in Kontakt bringen, um ihnen Wertschätzung für Lebensmittel zu vermitteln und ihr Konsumverhalten nachhaltig zu prägen. Momentan fokussiert sich der Ausschuss auf die Zusammenarbeit mit den Trägerorganisationen der 650 Kölner Kindertagesstätten: mit diesen gemeinsam wird ein Konzept erarbeitet und umgesetzt, das sowohl die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln als auch Inhalte, Methoden und Lernorte für die Ernährungsbildung umfasst. Damit wird das Thema „Regional und Nachhaltig“ flächendeckend in alle Kitas der Stadt getragen.

Der Ausschuss „Essbare Stadt / Urbane Landwirtschaft“ hat die Arbeit an einer partizipativen Aktionsplan-Entwicklung für eine „Essbare Stadt Köln“ aufgenommen. Hier wird in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt der Stadt Köln, zivilgesellschaftlichen Organisationen und vielen engagierten BürgerInnen ein Konzept für die gesamte Stadt entwickelt, das im Rat der Stadt verabschiedet werden und die Rahmenbedingungen für das Gärtnern und die Lebensmittelproduktion in der Stadt verbessern soll. Daneben wird die Entwicklung von konkreten essbare-Stadt-Projekten in den Nachbarschaften unterstützt - vor allem urbanes Gärtnern in all seinen Ausprägungen, aber auch z.B. gemeinschaftliches Kochen, Wildsammlung und der Aufbau lokaler Versorgungskonzepte (Food Assembly, SoLaWi u.ä.).

Wir verfolgen das Ziel, LebensmittelproduzentInnen und deren Kunden – sowohl GroßkundInnen wie beispielsweise Gastronomie und VerarbeiterInnen, als auch EndkonsumentInnen – in direkten Kontakt zu bringen, um Verständnis dafür zu schaffen, woher unsere Lebensmittel kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt und verarbeitet werden, und die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe in der Region rund um Köln zu stärken.

Der Ausschuss „Regionale Direktvermarktung“ arbeitet dazu an einer Bestandsanalyse und an einem Indikatorenset: Welche Produkte stehen wo, wann und in welcher Qualität zur Verfügung, und wie wurden sie produziert?

Der Ausschuss „Gastronomie & Lebensmittelhandwerk“ möchte Kölner Gastronomen und Lebensmittelhandwerker, die ihren Einkauf regionalisieren wollen, unterstützen und plant dafür verschiedene Aktionen, die diese mit Landwirten aus der Region zusammenbringen: um sich gegenseitig kennenzulernen, sich auszutauschen und z.B. Produktionsüberschüsse miteinander zu „bewältigen“, kleinere Höfe oder spezielle Produkte ins Rampenlicht zu rücken, oder auch direkt einzukaufen.


Inwieweit und wodurch konnten gesellschaftliche Gruppen oder Akteure neu für dieses Thema gewonnen oder einbezogen werden?



Der ER selbst ist eine Vernetzungsplattform, seine festen Mitglieder kommen z.B. aus Stadtrat und -verwaltung, den umliegenden Landkreisen, Organisationen wie Slow Food, Foodsharing und dem Naturpark Bergisches Land, aber auch aus Forschung, Bildung und der Wirtschaft.

Zusätzlich laden wir aktiv zur Mitarbeit in den Ausschüssen und den von ihnen angestoßenen Projekten ein, haben dadurch ein vielfältiges Netzwerk in relevanten Ämtern, der lokalen Lebensmittelwirtschaft und der Zivilgesellschaft aufgebaut und bereits viele neue Kollaborationen angestoßen – an der „Essbaren Stadt“ z.B. arbeiten u.a. das Grünflächenamt, der Kölner Kleingärtnerverband, das Schulgarten- und das Gemeinschaftsgärtennetzwerk und die größte Wohnungsbaugenossenschaft der Stadt mit.

In verschiedenen Institutionen (z.B. Erzbistum Köln, Arbeitskreis der Kita-Träger) haben wir das Thema „nachhaltige, regionale Ernährung“ auf die Agenda gesetzt, Ideen und Informationen eingebracht und Projekte angestoßen.


Inwieweit und wodurch ist es gelungen eine öffentliche Wahrnehmung für das Thema zu erreichen?



Derzeit herrscht ein hohes Interesse an nachhaltiger, lokal erzeugter Ernährung und klimaschonenden Lebensweisen. Dies zeigt sich in der aktiven Mitarbeit von über 200 BürgerInnen im ER und seinen Projekten, der Unterstützung seitens der Stadt und dem großen Interesse aus verschiedenen Institutionen an einer Zusammenarbeit.

Veranstaltungen wie die Schnippeldisko im Herbst 2016 oder der 1. Gipfel Essbare Stadt sind auf riesige Resonanz gestoßen und sorgen für Nachhall in den sozialen Medien.

Die Idee „Ernährungsrat“, obwohl sehr neu und vergleichsweise abstrakt, hat im deutschsprachigen Raum bereits so viel Aufmerksamkeit erfahren, dass sich in über 30 Städten und Regionen Gründungsinitiativen für lokale Ernährungsräte gegründet haben, die bei uns Rat und Inspiration suchen.

Auch aus Forschungseinrichtungen wie z.B. dem Wuppertal Institut, Fraunhofer, der TH Köln oder der Universität Oldenburg bekommen wir immer wieder Anfragen, mit und an uns zu forschen.


Wie sollen die Aktivitäten in Zukunft weitergeführt werden?



- Im November 2017 organisieren wir in Essen den 1. Vernetzungskongress der ER-Initiativen aus dem deutschsprachigen Raum. Es werden ca 120 TeilehmerInnen erwartet, Referentinnen mit langjähriger ER-Erfahrung aus den USA, Kanada, Brasilien und UK sind eingeladen. Darauf aufbauend soll ein Lern- und Aktionsnetzwerk der Ernährungsräte entstehen.

- Die Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Kita-Projekt sollen in Schulen getragen werden (Primar-, dann Sekundarstufe).

- Entwicklung von Konzepten, um landwirtschaftliche Produktions- und Vermarktungskapazitäten in ländlichem und städtischem Gebiet neu zu schaffen.

- Der Aktionsplan Essbare Stadt soll mit den städtischen Ämtern abgestimmt und im Stadtrat verabschiedet werden, er ist dann bindend und schafft eine Grundlage für ein nachhaltiges lokales Ernährungssystem.

- Aufbauend auf der Visionsentwicklung und den Recherchen des Ausschuss Direktvermarktung soll eine nachhaltige Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung erarbeitet werden.


Ergänzende Bemerkungen



Der Kölner Ernährungsrat ist eine außergewöhnliche Initiative, bei der Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in bisher nicht gekannter Form gemeinsam für die Lösung eines grundlegenden gesellschaftlichen Problems einstehen. Er setzt ein Signal für die Gründung anderer Ernährungsräte in ganz Deutschland.


weiterführende Informationen 

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