Netzwerk 21 Kongress

Bundesweiter Fortbildungs- und Netzwerkkongress für lokale Nachhaltigkeitsinitiativen [www.netzwerk21kongress.de]





Einkaufsnetz Leipzig - gemeinsam. ÷kologisch. fair. [Netzwerk21Kongress]



Einkaufsnetz Leipzig - gemeinsam. ökologisch. fair.


Einkaufsnetz Leipzig - gemeinsam. ökologisch. fair.



Zusammenfassung

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„Du trinkst fairen Kaffee. Und deine Gemeinde?“
Unter diesem Motto organisiert die ökumenische Initiative „Einkaufsnetz Leipzig – gemeinsam. ökologisch. fair.“ den Kauf nachhaltiger Produkte in christlichen Einrichtungen in und um Leipzig auf gemeinschaftliche Weise und vernetzt Einzelkämpfer*innen in einzelnen Kirchgemeinden.
Ziel des regionalen Beschaffungsnetzwerkes ist es, Einrichtungen und Kirchgemeinden aller Konfessionen dazu zu ermutigen, ihre Einkäufe auf fair, ökologisch und regional produzierte Waren umzustellen und einen ressourcenschonenden Konsum zu erproben. Das Einüben einer alternativen Beschaffungspraxis wird von entwicklungspolitischen Bildungsangeboten zu nachhaltiger Produktion und (klima-)gerechtem Konsum flankiert.


Beschreibung der Aktivitäten



Die Diagnose als Ausgangspunkt der Initiative lässt sich wie folgt umreißen: Kirchen predigen von Nachhaltigkeit, fassen Beschlüsse zu einer ressourcenschonenden Wirtschaftsweise, feiern Erntedankfest zur Bewahrung der Schöpfung oder, weniger theologisch formuliert, zum Umweltschutz, singen von weltweiter Gerechtigkeit und sammeln Spenden für Entwicklungsprojekte im Süden. Und dennoch: (dieselben) Kirchen kaufen billigen Messwein, drucken den Gemeindebrief auf Frischpapier, lassen ihre Gemeindehäuser im giftigen Chemikalien säubern, trinken jeden Sonntag nach dem Gottesdienst unfair gehandelten Kaffee, lassen ihre Kindergärten mit billigem, von Fleisch überladenen Mittagsessen beliefern, bestellen für die Friedhofsbebauung indischen Naturstein aus ausbeuterischer Kinderarbeit und beziehen Atomstrom für die energiefressenden Elektrogeräte auf Stand by Modus.
Was läuft da schief? Ist dieser Widerspruch bewusst? Wieso steht die Glaubwürdigkeit einer ganzen Religionsgemeinschaft auf dem Spiel? Diese Fragen haben die Initiator*innen der ökumenischen Initiative Einkaufsnetz Leipzig motiviert, nachzufragen. Das Ergebnis ist in vielen Gemeinden im Umkreis von Leipzig so einfach wie ernüchternd. Wissen zu den globalen Zusammenhängern nachhaltiger Konsummuster ist vorhanden. Entwicklungspolitische Bildungsarbeit wurde und wird geleistet. Aber konkrete Unterstützung zur Umsetzung guter Vorsätze lassen sich auch nach Jahren der Diskussion um kirchliche Erklärungen zu nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweisen vermissen. Auf Evangelischer Seite richtete sich bereits 2009 die Denkschrift Umkehr zum Leben der Ev. Kirche in Deutschland auch an kirchliche Einrichtungen selbst. 2015 erklärte Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si: „Kaufen ist nicht nur ein wirtschaftlicher Akt, sondern immer auch eine moralische Handlung.“ Auch er sprach nicht allein in die Welt hinaus, sondern in erster Linie in die Gotteshäuser hinein.
Um besagten Graben zwischen Umdenken und Verhaltensänderung zu überbrücken, hat sich das Einkaufsnetz Leipzig gegründet. Das klingt erst einmal simpel und ideenlos, ist aber genau der Prozess, den es in Kirchen braucht, um auch Nr. 12 der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) mit dem Ruf nach Nachhaltigen Produktions- und Konsumweisen näher zu kommen.
Das „Einkaufsnetz“ besteht aus einem wachsenden Kreis Leipziger Kirchgemeinden, kirchlicher Kindergärten & Einrichtungen und wird durch ehrenamtliches Engagement getragen sowie von den jeweiligen Gemeinderäten / Kirchenvorständen unterstützt, um bei der Fairkost Taucha nachhaltig zu beschaffen. Derzeit beraten die ev.-luth. Schwestergemeinden St. Petri & Bethlehem, die deutschlandweit als erste das Siegel „Zukunft einkaufen“ erhalten haben, die kath. Gemeinde St. Trinitatis, die Evangelische Studierendengemeinde, die ev.-luth. Auenkirchgemeinde und die Martin-Luther-Kirchgemeinde in Markkleeberg beispielsweise darüber, wie Beschaffungsleitlinien o. Beschlüsse in den jeweiligen Gremien zugunsten einer nachhaltigen Wirtschaftsweise formuliert werden können, um Kriterien zu liefern, anhand derer sich Einkäufer*innen in den Gemeinden orientieren können, um nachhaltig zu beschaffen.
Mit Hilfe eines multidimensionalem Ansatz werden Strukturen für eine nachhaltige Beschaffung aufgebaut und Hemmschwellen im Bereich von regionalen Bezugsquellen und Siegelkenntnis gesenkt. Der gemeinsamen Reflexion unter den Gemeinden folgen z.B. Bildungsveranstaltungen zum Thema Nachhaltige Gemeindefest. Dabei werden Erkenntnisse gewonnen, wie die, dass ein gemeinsamer Abwasch nach dem Fest ressourcenschonender und gemeinschaftsbildender ist als kompostierbares Einweggeschirr. Wenn daraufhin eine ganze Gemeinde aufgerufen wird, Tassen zu spenden, hat mehr als nur ein Umdenken begonnen. Bekannt macht sich das Einkaufsnetz unter bereits aktiven aber auch neuen Gemeinden mit der sog. Kirchenkaffeetour: neben fairem Kaffee gibt es Informationen zu alternativen Konsummustern in Kirchen.


Inwieweit und wodurch konnten gesellschaftliche Gruppen oder Akteure neu für dieses Thema gewonnen oder einbezogen werden?



Innerkirchlich spricht das Einkaufsnetz zwei Akteur*innenkreise besonders an . Auf der einen Seite sind es engagierte Gemeindeglieder bzw. -mitarbeitenden, die bis dato in ihrer Gemeinde keine Mitstreiter*innen gefunden hatten, die die Angebote der Initiative dankbar annehmen, mitdenken und sich ehrenamtlich engagieren. Auf der anderen Seite wurde Christ*innen, die seit Jahren für Frieden, Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung einstehen, der Blick für den Zusammenhang mit alternativen Wirtschafts- und Lebensweisen geschärft.
Aber auch einzelne Leipziger Kreise von Konfessionslosen, die sich auch politisch für nachhaltige Konsummuster engagieren, haben sich positiv zur Initiative geäußert, bei Aktionen mitgemacht und die bisher vermisste Glaubwürdigkeit von Kirche erkannt.
Konkrete Vernetzungen existieren mit Politik, Wirtschaft und kirchenferner Zivilgesellschaft sowohl durch einzelne Aktionen als auch durch Kooperationsprojekte wie klimaneutralem Druck o. fairen Grabsteinen.


Inwieweit und wodurch ist es gelungen eine öffentliche Wahrnehmung für das Thema zu erreichen?



In sächsischer Presse und Radio wurde das Einkaufsnetz nicht nur beworben, sondern auch positiv kommentiert. Unter dem Motto Herbstwind - das Nachhaltigkeitsfest der Leipziger Kirchen stellte sich die neu gegründete, ökumenische Initiative Einkaufsnetz Leipzig am 23. Oktober 2016 nicht nur dem Ev.-Luth Kirchenbezirk und der Kath. Propstei, sondern darüber hinaus der lokalen Öffentlichkeit vor. Den 300 Besucher*innen wurden eine Podiumsdiskussion zu Gelebter Nachhaltigkeit in meiner Kirchgemeinde, Mitmachaktionen für alle Altersgruppen zu Upcycling und Fairem Handel sowie ein fleischloser & regionaler Imbiss geboten. Im Mittelpunkt des Festes standen nicht nur die Familien, auf die das Programm abgestimmt war, sondern die Kooperation mit Vertreter*innen der Stadtverwaltung, der Zivilgesellschaft wie Weltladen und BUND und der lokalen Wirtschaft wie den Leipziger Stadtwerken mit ihrem Ökostromangebot. Im Zuge des Festes kaufen neue Einrichtungen wie ein Ev. Kindergarten öko-fair.


Wie sollen die Aktivitäten in Zukunft weitergeführt werden?



Neben (Bildungs-) Angeboten zum Erfahrungsaustausch einzelner Einrichtungen und der Begleitung der bisher einkaufenden Gemeinden, wird vertieft Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Um weiteren Kirchgemeinden mit einer öko-fairen Beschaffung den Weg hin zu nachhaltigen Konsummustern zu eröffnen, steht die Kommunikation des Anliegens des Einkaufsnetzes im Mittelpunkt des kommenden Jahres. Nicht minder bedeutend ist die Vernetzung mit weitern Projekten und Initiativen aus Zivilgesellschaft, Kommune und Wirtschaft. Daher wird zur Zeit ein ökumenisches Nachhaltigkeitsfest für den 15. April 2018 in und um die Ev.-Luth- Kirchgemeinde St. Petri geplant. Kooperationspartner werden die Steuerungsgruppe der Fair Trade Town Leipzig und die Lokale Agenda 21 sein. Darüberhinaus wird die Südvorstadt mit ihrer kirchenfernen, der Thematik nahe stehenden Bevölkerung eingeladen werden. Hiermit will das Einkaufsnetz nicht missionarisch tätig werden, sondern vielmehr die Glaubwürdigkeit von Kirche offen legen.


Ergänzende Bemerkungen



Die Arbeit des Einkaufsnetzes Leipzig wurde bereits auf lokaler Ebene honoriert, und mit einer Anschubfinanzierung von 500 Euro aus dem Projektfond des Agenda-Preises der Lokalen Agenda 21 Leipzig unterstützt.


weiterführende Informationen 

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