Netzwerk21Camp

 

L.I.S.T. Stadtentwicklungsgesellschaft mbH – KiezKlima

Zusammenfassung

 Im Rahmen von KiezKlima werden gemeinsam mit den Bewohner*innen und Akteuren des Berliner Brunnenviertels in einem intensiven Beteiligungsprozess Klimaanpassungsmaßnahmen entwickelt. Um die vielen unterschiedlichen Gruppen im Kiez für das Thema zu gewinnen, wurden verschiedene niedrigschwellige und abwechslungsreiche Formate zum Thema Klimawandel und –anpassung angeboten – von Kiezfesten und Bürgersteiggesprächen über öffentliche Workshops und Online-Ideensammlungen bis hin zu Hofbeteiligungen, „Klimarundgängen“ oder Infografiken im öffentlichen Raum. Auch bei der Umsetzung spielen die Anwohner*innen selbst eine wichtige Rolle, u.a. in Form von Nachbarschaftsgärten, Pflanz- und Trinkpatenschaften oder Kooperationsprojekten.

Beschreibung der Aktivitäten

Im Zuge des globalen Klimawandels werden Hitzewellen besonders in Städten immer häufiger und intensiver auftreten, während Trockenphasen die Kühlleistung der wenigen Grün- und naturnahen Flächen in der Innenstadt verringern und so den städtischen Wärmeinseleffekt noch verstärken.
Während die Planungsebene in Städten die Bedeutung solcher lokaler Auswirkungen des Klimawandels zunehmend erkennt, ist das Thema in der breiten Bevölkerung bislang kaum angekommen. Dies ist insbesondere in stark hitzebelasteten Großstädten und in Quartieren mit einem hohen Anteil vulnerabler Bevölkerungsgruppen bereits heute ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem, das sich zukünftig noch verstärken wird.
Das Forschungsprojekt „KiezKlima“ setzt genau hier an: Im Pilotgebiet Brunnenviertel-Brunnenstraße im Berliner Stadtteil Gesundbrunnen werden gemeinsam mit den Bewohner*innen und Akteuren vor Ort Klimaanpassungsmaßnahmen entwickelt, diskutiert und geplant sowie erste bauliche Maßnahmen umgesetzt. Im Fokus stehen dabei die Entwicklung und Erprobung geeigneter Ansprache-, Kooperations- und Beteiligungsformen zum Thema Klimaanpassung für die verschiedenen Akteure (Bewohner*innen, die planende und bauende Verwaltung, Wohnungsbaugesellschaften, Quartiersmanagement, lokale Initiativen, soziale Träger, u.v.m.).

Zentrale Fragestellungen von KiezKlima sind somit:
1. Welche Form der Ansprache erreicht die Akteure im Quartier und welche nicht?
2. Welche Art der Beteiligung braucht man für die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen auf Quartiersebene?
3. Was sind Erfolgsfaktoren und Hemmnisse bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen?

Gerade hier liegt eine Besonderheit des Projekts: KiezKlima holt die Menschen dort ab, wo sie stehen und verbindet modellhaft die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und planerischer Konzepte zum Klimawandel mit der Verbesserung der Aufenthalts- und Lebensqualität der Bewohner*innen vor Ort. Darüber hinaus wurden vielfältige Kooperationen mit unterschiedlichen im Quartier aktiven Gruppen angeregt und durchgeführt – darunter eine Projektwoche Klimawandel einschließlich Schulhofumgestaltung mit der 5. Jahrgangsstufe der lokalen Grundschule, gemeinsame Werkstattwochen mit einem Kinder-Kunst-Projekt, die Initiierung und enge Zusammenarbeit mit dem Gartenprojekt „Grünräume nachbarschaftlich stärken“ sowie je ein Projekt mit Studierenden der Technischen Universität sowie der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW).

Die so entstandenen Ideen für ein grüneres und angenehmeres Brunnenviertel wurden anschließend gemeinsam mit den Akteuren im Quartier bis zur Umsetzungsreife geplant. In einem der Innenhöfe der kooperierenden Wohnungsbaugesellschaft können so noch während der Projektlaufzeit erste aus dem Beteiligungsprozess hervorgegangene Klimaanpassungsmaßnahmen baulich umgesetzt werden. Die klimagerechte Umgestaltung weiterer Höfe durch den Eigentümer erfolgt in den nächsten fünf Jahren.
Auch in der Umsetzung und der Nachsorge bleiben die Bewohner*innen eingebunden, etwa in den neu gegründeten Nachbarschaftsgärten oder als Trinkpaten, die an heißen Tagen kostenlos Wasser zur Verfügung stellen. So trägt KiezKlima nicht nur zur Verbesserung des lokalen Klimas bei, sondern auch zur Vernetzung und Stärkung der Nachbarschaft.

Um die gewonnenen Erkenntnisse auch für andere Stadtquartiere nutzbar zu machen, wird der Partizipationsprozess über die gesamte Projektlaufzeit hinweg evaluiert. Die Ergebnisse fließen in einen Leitfaden mit übertragbaren Handlungsempfehlungen für andere Kommunen ein.
Für seinen innovativen Ansatz wurde KiezKlima 2016 vom Umweltbundesamt als einer von vier Gewinnern des deutschlandweiten Wettbewerbs „Blauer Kompass – Anpassungspioniere gesucht“ ausgezeichnet.

Inwieweit und wodurch konnten gesellschaftliche Gruppen oder Akteure neu für dieses Thema gewonnen oder einbezogen werden?

Im Rahmen von Werkstattwochen des Kinder-Kunst-Projekts „Club der Internationalen Raumforscher“ setzten sich Schüler verschiedener Jahrgänge künstlerisch mit dem Thema Klimawandel auseinander.
Im Kiez wurde ein Netz von Wettermessstationen in Kooperation mit vier Kindertagesstätten und der Wohnungsbaugesellschaft errichtet. So wurden Eltern, Kinder und Kita-Leitungen sensibilisiert sowie langfristige Forschungsdaten erhoben. Aus einem Klimarundgang mit einer 5. Klasse entstand eine Projektwoche inkl. der klimaangepassten Umgestaltung des Schulhofs durch die gesamte Jahrgangsstufe (1. Preis „Berliner Klimaschulen“ 2016).
Das durch KiezKlima angestoßene Projekt „Grünräume nachbarschaftlich stärken“ wird seit 2016 über die Soziale Stadt gefördert und unterstützt den Aufbau und die Vernetzung von Nachbarschaftsgärten im Quartier. Gewerbetreibende wurden über ein Trinkpaten-Netzwerk im Quartier in das Projekt und die Sensibilisierung der Nachbarschaft einbezogen.

Inwieweit und wodurch ist es gelungen eine öffentliche Wahrnehmung für das Thema zu erreichen?

Das Projekt wurde durchgängig von einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit begleitet, von Postkartenaktionen im Kiez über Presseartikel bis hin zu sozialen Medien.
Eine besonders effektive Maßnahme waren die in Kooperation mit Studierenden der der HMKW installierten Infografiken im öffentlichen Raum. Durch die gut sichtbaren „Stolperinfos“ wurden Passanten im Quartier ganz im Vorbeigehen zum Thema Klimaanpassung sensibilisiert.
Ein ähnlicher Schneeballeffekt ging von der Kooperation mit Gewerbetreibenden im Rahmen der Aktion „Trinkpaten“ aus. Diese machte sowohl die Kooperationspartner als auch ihre Kunden auf die Bedeutung eines angepassten Trinkverhaltens an heißen Tagen aufmerksam.
Bei einer Online-Abstimmung der Berliner Wasserbetriebe, die durch KiezKlima erfolgreich beworben wurde, wurden genug Stimmen gesammelt, damit zwei Standorte im Brunnenviertel für die Aufstellung öffentlicher Trinkbrunnen im Jahr 2017 ausgewählt wurden.

Wie sollen die Aktivitäten in Zukunft weitergeführt werden?

Die im Rahmen des Projekts erarbeiteten Maßnahmen werden in das neue Städtebauförderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ aufgenommen und schrittweise über mehrere Jahre im Quartier umgesetzt. Der Fokus liegt dabei auf Maßnahmen in den Innenhöfen der Wohnungsbaugesellschaft degewo. Neben Begrünung und Verschattung steht hierbei auch das Thema Barrierefreiheit im Fokus, um gerade auch für vulnerable Bevölkerungsgruppen – wie ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen – zukunftsfähige Aufenthaltsorte in direkter Wohnortnähe zu schaffen. All diese Aktivitäten werden auch weiterhin durch eine intensive Sensibilisierung für das Thema Klimaanpassung und durch Beteiligung der Bewohner*innen und Akteure im Quartier begleitet.
Ergänzend läuft das im Rahmen von KiezKlima angestoßene QM-geförderte Projekt „Grünräume nachbarschaftlich stärken“ über die Projektlaufzeit von KiezKlima hinaus weiter und trägt so auch künftig zur Vernetzung der Bewohner*innen und zur Schaffung neuer Nachbarschaftsgärten bei.

Ergänzende Bemerkungen

In KiezKlima wird die Expertise unterschiedlichster Projekt- und Kooperationspartner auf modellhafte Weise gebündelt:

L.I.S.T. GmbH – Projektmanagement, Partizipation, Öffentlichkeitsarbeit
EPC – Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit
Bureau Baubotanik – Maßnahmenplanung
Fachgebiet Klimatologie, TU Berlin – Klimatologische Grundlagen
CQ Beratung+Bildung – Evaluation

Degewo Wohnungsbaugesellschaft
Bezirksamt Mitte von Berlin
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

weiterführende Informationen